Ich beobachte, daß sich dieses Blog mehr und mehr Statements über den Islam, die Türkei und die Muslime ansammelt. Die meisten dieser Statements sind sehr, sehr kritisch – aber, auch wenn es vielleicht nicht immer offensichtlich ist, sehr differenziert. Darum soll hier eine kurze allgemeine Stellungnahme zum Themenkomplex erfolgen:
Im Allgemeinen betrachte ich Muslime, also Anhänger des Islam, als Menschen wie alle anderen auch: Mit vielen verstehe ich mich sehr gut, mit anderen weniger – wie überall. Was soll’s?
Im Besonderen zeigen sich in letzter Zeit immer wieder politisch-islamistisch motivierte Gruppen denen gegenüber ich NULL Toleranz habe: Gruppen, die mit mehr oder weniger demokratischen Mitteln unsere humanistische Grundordnung abschaffen wollen. Diese Gruppen arbeiten teilweise demokratisch (siehe den Economist-Artikel “A growing Band of Brothers” über die Muslimische Bruderschaft, u.a. im Britischen Unterhaus), teilweise bekanntermaßen über Entführungen und Terroranschläge.
Ich bin ein großer Freund unserer humanistischen Grundordnung, wie sie z.B. im Deutschen Grundgesetz oder der UN-Menschenrechtscharta niedergelegt ist. Normalerweise halte ich mich auch an das Statement “Ich bin zwar nicht ihrer Meinung, aber ich würde mein Leben dafür geben, daß sie sie sagen dürfen”. Doch ich stehe auch 100%ig hinter den Prinzipien der wehrhaften (streitbaren) Demokratie, einer Demokratie, die sich selbst schützt. Die Demokratie und die Menschenwürde selbst stehen nicht zur Diskussion – wer sie angreift hat sich disqualifiziert.
Insofern habe ich auch mit denjenigen islamisch geprägten Familien in Deutschland einen Konflikt, die die Gleichberechtigung und Religionsfreiheit nicht leben. Die steigende Zahl von Ehrenmorden ist hier sicher nur die Spitze des Eisberges.
Hier ist die Frage, mit der ich seit Monaten hadere: Wer hat die “richtige” Interpretation des Islam?
- Die schweigende große Gruppe, die sich nahtlos in unsere Gesellschaft integriert?
- Die schweigende Mehrheit, die Gleichberechtigung und Religionsfreiheit nicht leben bzw. unterstützen? – Wie können wir damit umgehen?
- Die Minderheit, die teils mit mehr, teils mit weniger Lärm versucht, einen Gottesstaat zu errichten?
… und dann ist da noch das Fukuyama-Argument: Wenn die muslimischen Familien dreimal mehr Kinder bekommen als die Anhänger anderer Religionen – wie wird sich auch unserer streitbare Demokratie in einer mehrheitlich islamischen Welt entwickeln? –> Gleichberechtigung, Religionsfreiheit…
Was können wir tun, was müssen wir tun, um die Menschenwürde aller Menschen auf der Erde zu schützen? – Deutschland hat schon einmal vor der Realität die Augen verschlossen. Damals haben wir gelernt, daß es “zu wenig Toleranz” gibt, wie der Wikipedia-Artikel zur streitbaren Demokratie zeigt. Werden wir bald lernen, daß es auch “zu viel Toleranz” gibt?
