Palm Leaf


November 10, 2009

Grenzt zunehmende Technologisierung ältere Menschen aus?

Filed under: Medienkompetenz,Nachgedacht — Palm Leaf @ 10:56 pm

Hannelore schreibt unter dem Titel “Grenzt zunehmende Technologisierung ältere Menschen aus?“. Ich sehe das anders, so wie viele: Exzessive Netz-Nutzung grenzt uns jüngere aus: Wir sollten nicht vergessen, daß die sogenannten “älteren” in der Überzahl sind!

Natürlich kenne ich die in den Kommentaren genannten Probleme, aber noch gibt es – wenigstens hier in Deutschland – in jedem Städtchen ein paar Bankfilialen und Briefkästen und so. Die Welt der Netz-Verweigerer wird nicht “kleiner”, sie bleibt ungefähr, wie sie war. Die Welt der Netz-Nutzer wird beständig größer, und die Verweigerer haben daran nicht teil. Sie haben sich das so ausgesucht.

Ich denke, es gibt zwei Wurzeln, an denen Netz-Verweigerung sozusagen “andockt”:
– Abstraktion
– Vertrauen

Unter Abstraktion verstehe ich dabei einige der Themen, die A bzw. Thoma im Kommentar angesprochen hat: Ein Computer braucht eine Einführung. Das Problem mit der “Computer-Techniksprache” hängt ursächlich daran, daß es für eine Abstraktionen wie “Fenster”, “Link” bzw. “Verknüpfung” oder “Maus” außerhalb der Computer-Techniksprache nicht nur kein Wort gibt, sondern das Konzept gar nicht existiert. Man kann es nicht mit normalen Begriffen erklären, weil es keine “normalen” Konzepte sind. Marketing-Kauderwelsch macht’s nicht besser, aber im Kern geht es um neue Konzepte, neue Abstraktionen, neue Abbildungen der Wirklichkeit. Und: “Wir” haben gelernt, abstrakt zu denken. Die Gangschaltung im Auto, Fernseher (sogar mit Fernbedienung), die Wählscheibe am Telefon, die “Platte” (erst Vinyl, dann CD) und die “Kassette” – all das sind Abstraktionen, mit denen wir aufgewachsen sind. Unsere Eltern sind in diesem Sinne in einer konkreten Welt aufgewachsen: Maier, Müller, Schmidt – Villingen, Schwenningen, Metzingen – Wurst, Käse, Eier. Das Leben unserer Eltern war bestimmt von Dingen, die man in die Hand nehmen konnte. Aus dieser Welt grenzen wir uns aus, wenn wir nicht aufpassen.

Unter Vertrauen sehe ich die weiteren Themen: Wie bekommen unsere Eltern ein Gefühl dafür, wenn sie “etwas kaputt machen”? Wann sie ihren Online-Banking-Account für die Welt öffnen? An der Oberfläche scheint es sich um Vertrauen in die Technik zu drehen, aber wenn man gut zuhört findet man, daß der Knackpunkt das Selbstvertrauen im Umgang mit der Technik ist. Nun, Vertrauen hat etwas mit Vertrautheit zu tun, und solange die Praxis nicht da ist, bleibt die Vertrautheit aus.

Keine Praxis, keine Vertrautheit. Keine Vertrautheit führt zu Angst und Unwillen, Angst und Unwillen verhindern Praxis. Ein Teufelskreis.

Der Umgang mit körperlicher und geistiger Unbeweglichkeit, den Hannelore anspricht, ist eigentlich der zentrale Hebel. Zum Abschluß, weil’s einfach zum niederknien schön ist, Hannelore in ihren eigenen Worten:

Ich [...] weiß ganz genau, wenn ich mich nicht ständig auf dem Laufenden halte (nicht nur beim Anwenden, sondern auch im selbst erstellen), dann wird die Wissenslücke immer größer und die Lernkurve zum Aufholen immer steiler. Im Übrigen habe ich festgestellt, dass ich schneller lerne je älter ich werde, weil sich meine Wissensbasis erweitert und weil ich mich beeilen muss, denn es gibt plötzlich ein faszinierendes und riesiges Angebot.

November 5, 2009

Opel

Filed under: Nachgedacht — Palm Leaf @ 12:15 am

Kein Kommentar: Opel ist dumm gelaufen. Aber ich finde es interessant, daß eine Publikation heute genau diejenigen als “Populisten” bezeichnet, die noch im Mai als “Insolvenz-Minister” tituliert wurden.

Meine Meinung? – zunächst wäre ein offenes “Lessons Learned” angebracht, was wirklich schiefging. Aber das ist in unserer Medien-Zeit, in der es jeder (auch ich) besser weiß, nicht realistisch.

Ich denke, zu Guttenberg hatte recht: Die Insolvenz als realistische Option hätte in jedem dieser Gespräche auf dem Tisch liegen müssen. Mit der Einstellung “Insolvenz verhindern um jeden Preis” hat sich die Regierung damals erpressbar gemacht – und sie ist gerade auf dem besten Weg dazu, dies wieder zu tun. Wenn schon sonst nichts ist das ein Grundsatz der guten Verhandlungsführung.

Und falls (!) Opel tatsächlich nicht betriebswirtschaftlich sinnvoll saniert werden kann, wäre ein Ende mit Schrecken dem Schrecken (–> Steuerverschwendung) ohne Ende aus der Gesamt-Deutschen Perspektive vorzuziehen. Entrüstung ist einfach und billig. Bisher hat jeder Deutsche im Schnitt etwa 19€ für Opel auf den Tisch gelegt (–> 1,5 Milliarden Euro geteilt durch 80 Millionen Deutsche), und es hat nicht nachhaltig geholfen. Wenn wir diesen Betrag verdreifachen: Reicht das? Wieviele andere Arbeitsplätze zerstören wir durch die damit verbundenen Steuererhöhungen und/oder höheren Staatsschulden? Wie lange hätten wir die Opel-Mitarbeiter für das gleiche Geld anderweitig beschäftigen können?

Auch wenn die EU-Kommission so einen Vorschlag nie akzeptieren würde: Warum unterstützen wir mit dem von GM zurückgezahlten Kredit keinen Automobil-Zulieferer um die Menschen zu beschäftigen und quasi-kostenlos die “echten” Deutschen Autobauer VW, BMW und Daimler beliefert?

October 30, 2009

Ost und West und Bundesregierung

Filed under: Nachgedacht — Palm Leaf @ 8:45 am

SPON: “Ost-Abgeordnete pochen auf mehr Einfluss” zitiert einen anonymen Bundestagsabgeordneten:

“Dieses westdeutsche Kartell dient sicherlich nicht dem Zusammenwachsen Deutschlands.”

Kurz und knapp: So ein Käse. “Zusammenwachsen” bedeutet, daß wir (alle!) aufhören, in den Kategorien “Ost” (“ihr”) und “West” (“wir” – oder umgekehrt) zu denken!

WIR!

October 6, 2009

Intelligenz ist das Gut auf Erden…

Filed under: Lesefutter,Nachgedacht — Palm Leaf @ 10:50 pm

Aus: Freitag

Intelligenz ist das Gut auf Erden, von dem es am wenigsten gibt, die einzig wirklich wertvolle Sache. Jede menschliche Organisation läßt sich zur Nutzlosigkeit, Machtlosigkeit verdammen, zu einer Gefahr für sich selbst, indem man in sorgfältiger Auswahl ihre klügsten Köpfe entfernt und nur die dummen auf dem Posten läßt. Einige wenige gründlich vobereitete `Unfälle` reichten aus, um die gewaltige preußische Kriegsmaschinerie völlig zu ruinieren und in einen trampelnden Mob zu verwandeln. Dies offenbarte sich aber erst, als die Kämpfe längst im Gange waren, weil sich Idioten als Militärgenies ebenso gut machen wie Militärgenies – bis die Kämpfe losgehen.

Ob der Mittelteil über Preußen stimmt oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Der Anfang (… von dem es am wenigsten gibt …) und das Ende über Militärgenies ist schlagend richtig und selten so auf den Punkt gebracht. Heinlein polarisiert, aber hier hat er recht.

Vielleicht polarisiert er so stark, weil er uns auf seine zynische Weise mit unangenehmen Wahrheiten konfrontiert und uns keinen Ausweg lässt.

September 27, 2009

Die Wahl der Qual: Zu "Die Wahl einer Provinzregierung" bei 'Schreibkunst'

Filed under: Nachgedacht,Weitergedacht — Palm Leaf @ 10:49 pm

Stehen die wichtigsten Themen tatsächlich nicht auf dem Programm? Oder haben wir einfach keine Antworten?
In dem Artikel “Die Wahl einer Provinzregierung” steckt viel Wahres – und leider auch an einigen Stellen ein häufiger Irrtum: Die Verwechslung des Ergebnisses mit der Absicht. Ich fand den Artikel jedenfalls super-inspirierend.
(more…)

September 19, 2009

Gemischtwarenladen oder Themen-Blog

Filed under: Nachgedacht — Palm Leaf @ 12:49 am

Unter der Überschrift “Gesucht: Das Thema für mein nächstes Blog – eine Umfrage” stellt Claudia Klinger implizit den Trend zum Themenblog in Frage. Meine Meinung ist: Gemischtwarenladen ist Klasse! Die Argumentation kommt von prominenter Stelle – und ich stehe 100% dahinter:

Vor etwas über zehn Jahren hat zu diesem Thema Tim Berners-Lee, einer der Erfinder des World Wide Web sozusagen am Ort des Verbrechens, nämlich am CERN, seine Vision zu Themen wie diesen. Leider ist der Link dazu auf der Seite “Presentations of the W3C” nicht mehr aufzufinden. (more…)

February 26, 2009

Pyrrhusfriede

Filed under: Nachgedacht — Palm Leaf @ 8:48 pm

Die Medien haben eine gute Nachricht: Waffenstillstand in Afghanistan. So titelt beispielsweise Spiegel Online: “Taliban verkünden unbegrenzte Waffenruhe im Swat-Tal“. Freundlicherweise wird der Preis der Waffenruhe im Untertitel mit genannt: Einführung der Scharia.

Dem Jubel der Bevölkerung im Swat-Tal kann ich nachvollziehen, wenigstens teilweise. Genauer: Zu etwa 50%: Die Einführung der Scharia bedeutet vor allem, daß die Männer Frieden haben (nämlich vom Bürgerkrieg). Für die Frauen und Mädchen ist wohl eher der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben: Spiegel Online berichtet beispielsweise, daß Islamisten 191 Schulen im Kampf “für” die Scharia zerstörten. 122 davon für Mädchen.

Ein langer Weg zur Gleichberechtigung in Afghanistan.
Ein Pyrrhusfriede für die Menschenrechte, fast pünktlich zum 60. Geburtstag der UN-Menschenrechtscharta

P.S.: Die Redewendung “den Teufel mit dem Beelzebub austreiben” ist für mich eine gängige, um pyrrhische “Erfolge” zu beschreiben. Die Bevölkerung Afghanistans wird damit gleich behandelt mit allen ähnlichen Ereignissen, nicht schlechter, und auch nicht besser. Und daß so ein Disclaimer nötig ist, ist am Rande meiner Vorstellung von Meinungsfreiheit.

March 27, 2008

Tibet II

Filed under: Nachgedacht — Palm Leaf @ 3:38 pm

Unter “Ein Nepal für ein Tibet vormachen” findet sich ein richtig guter Artikel rund um falsche Medien-Berichterstattung rund um die Tibet-Situation. Danke dafür! Wie dort schon als Kommentar geschrieben:

Klarheit ist in dieser Sache definitiv besser als wilde Skandalheischerei, und alle pro-Tibet-Fans haben die Sorge, daß die Wahrheit durchaus für sich selbst spricht.

Die größte Quelle von Unklarheit in dieser Angelegenheit sind allerdings nicht Journalisten, sondern die chinesische Regierung. Sie könnte einfach für Klarheit sorgen, indem Journalisten ins Land gelassen werden und siche eine eigene Meinung bilden. (naja… manchmal wahrscheinlich auch BILDen).

Nachrichten- und Bildfälschungen nützen nur dem Kommerz, aber Nachrichtensperre nützt niemandem.

Last but not least, zwei Kommentare zum Dalai Lama:

  • Ich kann mir nicht vorstellen, daß der Dalai Lama lügt
  • Ich kann mir nicht vorstellen, daß der Dalai Lama zu Gewalt aufruft. (Im Gegensatz dazu kann ich mir gut vorstellen, daß den Tibetern langsam die Sicherung durchgeht).

March 25, 2008

Von Olympia nach Tibet

Filed under: Nachgedacht — Palm Leaf @ 11:26 pm

Soso… die Olympische Fackel ist entzündet, und die meisten Länder haben schon festgestellt, daß sie die Olympischen Spiele in Peking nicht boykottieren werden. Denn frei nach Präsident Bush: Bei den olympischen Spielen geht es um die Athleten.

Ach so?

[Baron Pierre de Coubertin] strebte danach, diesen Zustand [der körperlichen Ertüchtigung] durch die verbindliche Einführung von Sportunterricht an den Schulen zu verbessern. Gleichzeitig wollte er nationale Egoismen überwinden und zum Frieden und zur internationalen Verständigung beitragen. Die „Jugend der Welt“ sollte sich bei sportlichen Wettkämpfen messen und sich nicht auf dem Schlachtfeld bekämpfen. Die Wiederbelebung der Olympischen Spiele schien in seinen Augen die beste Lösung zu sein, um beide Ziele zu erreichen.

(Wikipedia-Eintrag “Olympische Spiele”)

Selbstverständlich stehen die Athleten im Mittelpunkt – doch der Rahmen sollte durch Frieden geprägt sein. Selbstverständlich wünsche ich keinem Athleten, vier Jahre zu trainieren, nur um dann kurz vor den Spielen ein “NO” zu hören. Zu bedenken ist: Ich wünsche auch niemandem, jetzt in Tibet zwischen die Mühlen zu kommen. Den Chinesen nicht, und den Tibetern erst recht nicht.

Den Tibetern allerdings am wenigsten, denn einerseits sind durch reichlich dumme Umstände in die Lage gekommen. Die Details sind verwickelt und bspw. bei Wikipedia unter Tibets Status nachzulesen, eine objektive Wahrheit in dieser Frage steht aus. Fest steht, daß die Staatengemeinschaft seit den 50′er Jahren einer beispiellosen Unterdrückung tatenlos zusieht. Wer’s genau wissen will, kann in dem Buch Tibet im Kapitel “Exil” einige Einblicke gewinnen, daß die Chinesen wenig ritterlich mit ihrem “Protektorat” umgehen. Insbesondere stecken dort einige Geschichten, die von Menschen handeln, die wirklich für ihre Ideale aufstehen.

Ein anderes Argument ist: WIr haben schon Erfahrung mit Olympia-Boykotten – und tatsächlich hat es nichts genutzt. Doch wer weiß? – Natürlich stört es die USA wenig, wenn die damalige UdSSR die Spiele boykottiert. Und umgekehrt auch nicht. Doch China kämpft hart darum, von der Welt als “Bürger erster Klasse” anerkannt zu werden. Sollte man nicht diesen Hebel nutzen, solange man ihn hat?

Auf der anderen Seite: Ja, ein Olympia-Boykott wird wahrscheinlich nicht viel bewegen. Doch er wäre wenigstens ein Symbol, daß wir nicht überall wegsehen… wenigstens nicht in dem einen Land alle vier Jahre, das sportliche Wettkämpfe für die Jugend der Welt ausrichtet, damit diese Jugend eben nicht aufs Schlachtfeld muß.

Ein Wirtschaftsboykott wäre gut, wäre mehr als ein Symbol, doch der schadet uns ebensoviel wie China. Vielleicht ist es schon zu spät für uns im Westen, uns für unsere Ideale einzusetzen.

Also fahren alle nach Peking. Nach Tibet lässt uns ja keiner, und was sollen wir sonst tun?

March 17, 2008

Tibet

Filed under: Nachgedacht — Palm Leaf @ 11:13 pm

Nur ein Wort als Vorschau: Ich bin entsetzt. Kann das große, mächtige China nicht das kleine, arme, schwache Tibet in Ruhe lassen?

Ich bin für einen Boykott der olympischen Spiele!

Mehr, wenn mehr Zeit ist.