Aus: Freitag
Intelligenz ist das Gut auf Erden, von dem es am wenigsten gibt, die einzig wirklich wertvolle Sache. Jede menschliche Organisation läßt sich zur Nutzlosigkeit, Machtlosigkeit verdammen, zu einer Gefahr für sich selbst, indem man in sorgfältiger Auswahl ihre klügsten Köpfe entfernt und nur die dummen auf dem Posten läßt. Einige wenige gründlich vobereitete `Unfälle` reichten aus, um die gewaltige preußische Kriegsmaschinerie völlig zu ruinieren und in einen trampelnden Mob zu verwandeln. Dies offenbarte sich aber erst, als die Kämpfe längst im Gange waren, weil sich Idioten als Militärgenies ebenso gut machen wie Militärgenies – bis die Kämpfe losgehen.
Ob der Mittelteil über Preußen stimmt oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Der Anfang (… von dem es am wenigsten gibt …) und das Ende über Militärgenies ist schlagend richtig und selten so auf den Punkt gebracht. Heinlein polarisiert, aber hier hat er recht.
Vielleicht polarisiert er so stark, weil er uns auf seine zynische Weise mit unangenehmen Wahrheiten konfrontiert und uns keinen Ausweg lässt.
Zwei interessante Neuigkeiten aus dem Blätterwald, der sich im Urlaub angesammelt hat:
- Die Foreign Affairs scheinen jetzt ihre gesamten Artikel kostenlos ins Web zu stellen. Das verdient Applaus. Man mag mit den Artikeln nicht immer einer Meinung sein, aber sie sind sehr tiefgründig.
- Auslöser dafür war der Artikel Saddam’s Delusions (Saddams Wahnvorstellungen). Man muß gut Englisch können um den Artikel zu verstehen, und ein bisschen Sitzfleisch braucht man auch (~20 Seiten in der gedruckten Ausgabe
), aber er wirft Licht auf viele Ereignisse, die man sich im Westen kaum erklären konnte. Sehr, sehr, sehr empfehlenswert.
Also dann, zurück aus dem Urlaub, und weiter geht’s.
Man hat’s wohl gemerkt: Das Blog hatte wieder einmal Urlaub. Leider ist die Ankündigung dazu durch einen Bedienfehler im Entwurfsfach liegengeblieben – und jetzt lohnt sich’s auch nicht mehr, sie wieder auszugraben.
Zwei wichtige Dinge:
Ein Lese-Geschenk für den Urlaub, das man ohne Einschränkungen weiterempfehlen kann: Einfach die Welt verändern. 50 kleine Ideen mit großer Wirkung. Zu dem Buch gibt’s auch eine Web Seite: http://www.wearewhatwedo.de/
Andererseits ein Zitat von einem Straßenkünstler:
Where would we be without fun and humour? — Germany!
(Wo wären wir ohne Spaß und Humor? — Deutschland!)
In diesem Sinne meine Bitte: Bitte nicht immer alles so ernst nehmen. Wir aus dem Deutschen Sprachraum könnten das Leben viel besser genießen, wenn wir hin und wieder schmunzeln würden anstatt uns aufzuregen.
Ob dieses Fernsehduell der Republik wirklich genützt hat? – fest steht, daß wir wieder einmal eine Live-Demonstration von Schopenhauers “Die Kunst, Recht zu behalten” breit gestreut haben.
Dem kann man nur durch scharfes eigenes Denken entgegenhalten, beispielsweise nach dem Strickmuster von der Parabel vom Elefanten: Nur weil der eine Recht hat, bedeutet das noch lange nicht, daß der andere unrecht hat. Dies findet sich offensichtlich im Spiegel-Online-Artikel “Bei den Vollzeitjobs hatten beide Recht“, aber es gab sicher auch subtilere Beispiele.
Tja… eigentlich wäre “Change” schon ein spannender Titel für einen Artikel hier… aber es ist “nur” der Name eines Buches – eines Buches von Paul Watzlawick. Ausgeschrieben heisst das Dings: “Change. Principles of Problem Formation and Problem Resolution.” – ein exzellentes Buch, denn es stellt nicht nur die Trivialität fest, daß es so etwas wie “zu viel des Guten” gibt sondern beschreibt auch die logische Umgebung dieser Situationen – und wie man aus ihnen entkommt.
Das müsste man doch auch auf internationale Politik anwenden können, oder? Dies bleibt dem geneigten Leser als Übung überlassen