Jetzt seh’ ich’s erst: Der Spiegel Online berichtet in dem Artikel “Türkei: Erdogan erwägt Rücknahme des EU-Beitrittsgesuchs“, daß der türkische Außenminister dem Economist gegenüber gesagt hätte: “Sollte die EU etwas anderes als eine volle Mitgliedschaft anbieten [...], werden wir gehen.”
Ein Blick in den Economist-Artikel mit dem Titel “Turkey and the European Union” bestätigt diese Angabe.
Geht’s noch? – Über die Hälfte der EU-Bürger ist gegen eine Vollmitgliedschaft der Türkei, und der Außenminister “droht”, den Antrag zurückzuziehen, wenn man ihm nur einen Kompromiss anbietet? Sind wir denn hier im Kindergarten? Ich kann verstehen, daß unsere (wir, die EU) Nachbarn über den jahrzehntelangen Eiertanz verärgert sind, aber die politischen Realitäten verleugnen nützt auch niemandem.
Die Europäische Kommission und alle deutschen Parteien betonen, daß die Beitrittsverhandlungen, deren Beginn für den 3. Oktober geplant sind, ergebnisoffen sind – ein für die EU neuer Begriff. Beim Beitritt der ehemaligen Ostblockländer war faktisch klar, daß der Beginn der Verhandlungen irgendwann zu einem Beitritt führen wird. Die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei sind ausdrücklich “ergebnisoffen”. Aus Sicht der EU. Man könnte den Verdacht bekommen, daß der türkische Außenminister die EU erpressen will.
Wie wird das dann erst, wenn die Türkei EU-Vollmitglied wird?
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