Bananenblatt


29.August 2005

Geh’ so oft wie möglich ins Museum…

Filed under: Erlebt — bananenblatt @ 23:44

Am vergangenen Wochenende waren wir in Amsterdam. Manche mögen dabei zunächst an Coffeeshops und Pflanzenprodukte oder an arme Damen denken, die so wenig anzuziehen haben, daß sie ihr Studium mit ungewöhnlichen Tätigkeiten finanzieren müssen. Zunächst sei gesagt: Amsterdam ist eine wahnsinnig schöne Stadt.

Doch das Thema für diesen Artikel ist das Anne Frank Haus und ein paar dadurch inspirierte Gedanken.

Für die, die die Geschichte von Anne Frank nicht kennen (ich kannte sie auch nur oberflächlich) sei auf den Anne-Frank-Eintrag in der Wikipedia verwiesen. Hier nur so viel: Anne Frank, ein damals 13jähriges jüdisches Mädchen, und sieben weitere Personen mussten sich im Juli 1942 in einem Hinterhaus in Amsterdam vor den Nazis verstecken. Während etwas mehr als zwei Jahren konnten sie nicht nach draußen und durften auch sonst keine Aufmerksamkeit erregen. Anne hielt dieses Leben “im Hinterhaus” in den berühmten Tagebüchern der Anne Frank fest. Kurz bevor die Alliierten Amsterdam erreichten wird das Versteck verraten und die acht Versteckten verhaftet. Mit dem letzten Transport werden sie in das KZ-System geschafft, wo alle außer Annes Vater Otto Frank umkamen. Anne starb wenige Wochen bevor “ihr” Lager von britischen Truppen befreit wurde. Otto Frank veröffentlichte Annes Tagebücher kurz nach dem Krieg und unterstüzte die Bestrebungen, das Versteck, das Hinterhaus, in ein Museum umzuwandeln: Das Anne Frank Haus.

Das Anne Frank Haus zieht den Besucher in seinen Bann. Schon im Vorraum, bei der Gelegenheit, ein Modell des Hinterhauses zu studieren und sich anhand der Broschüre auf den Besuch einzustimmen breitet sich Schweigen aus. Die leeren Räume (die Möbel waren von den Nazis abtransportiert worden, und es war Otto Franks Wunsch, die Räume bei der Umgestaltung leer zu lassen) vermitteln ein immer bedrückenderes Gefühl. Die Räume sind dekoriert mit Zitaten aus den Tagebüchern, mit kleinen Alltagsgegenständen der Familie. Manchmal gibt es kurze Video-Einspielungen von den Helfern, oder auch eine von Otto Frank.

Ich möchte nützlich sein, oder den Menschen Freude bringen, sogar denen, die ich nie getroffen habe. Ich möchte über meinen Tod hinaus leben. Und darum bin ich Gott dankbar für dieses Geschenk [zu schreiben], das ich nutzen kann um alles was in mir ist zu entwickeln und auszudrücken.
– Anne Frank,

Anne Franks Tagebücher sind ein weltweiter Bestseller, und der Gedanke daß Anne immer wieder betont hatte, daß sie Schriftstellerin werden wollte, und daß alle diese Wünsche sich nach ihrem Tod (vielleicht sogar durch ihren Tod) erfüllten, ist erschütternd.

Eine einzige Anne Frank bewegt uns mehr als die zahllosen anderen, die genau wie sie litten, aber deren Gesichter im Schatten bleiben. Vielleicht ist es besser so: Wenn wir fähig wären, das Leiden all dieser Menschen aufzunehmen, könnten wir nicht mehr leben.
-Primo Levi, Autor und Überlebender des Holocaust.

Ich könnte vergehen vor Respekt vor dieser fünfzehnjährigen Anne Frank, ihren Wünschen und ihrer Leistung. Auch die anderen sieben “im Hinterhaus” und ihre Helfer demonstrieren über alle Maßen Menschlichkeit – Qualitäten, Stärken, aber auch Schwächen. Wir sollten uns öfter an sie erinnern. Die Zeit naht wieder, in der Intoleranz wächst, in der unsere Freiheiten wieder in Gefahr sind. Doch diesmal sind unsere Freiheiten von vielen Seiten bedroht: unter anderem durch eine Religion, die “Unterwerfung” heisst, die ihren Anhängern die Unterdrückung von Andersgläubigen (nicht nur Juden!) und von Frauen vorschreibt, und auch von Politikern, die in ihren Anstrengungen, unsere Freiheiten zu schützen, über das Ziel hinausschießen und aus falsch verstandener politischer Korrektheit wieder wegsehen:

193. Und kämpft gegen sie, bis es keine Verwirrung (mehr) gibt und die Religion Allah gehört. [...]
Der Koran, 2. Sure

Wohlgemerkt: Nicht alle Muslime sind Terroristen, doch ist momentan die überwiegende Zahl der Terroristen Muslime. Tendenz steigend. Mehr in Ralf Langeders Kommentar zu Religiös unkorrekt. Es ist beobachtbar, daß der Islam auf verschiedenen Ebenen mehr und mehr zu einem Problem wird.

Wie kann sich eine Demokratie schützen vor jenen, die sie unterwandern und die demokratischen Rechte (bspw. das Wahlrecht! – siehe dazu auch Zum Vordenker der “Muslimischen Bruderschaft” und anderen) ausnutzen um die Demokratie abzuschaffen???

Schlußworte:

Der Titel dieses Beitrages, “Geh’ so oft wie möglich ins Museum”, ist ein Zitat von Van Gogh. Es passt von sich aus schon gut zu dem Besuch im Anne Frank Haus, doch meine bessere Hälfte hat es perfektioniert: “… denn jedesmal, wenn man ins Museum geht, erweitert sich der geistige Horizont, und das geht nie mehr verloren.”

Ist es nicht wunderbar, daß niemand auch nur einen Moment warten muß zu beginnen, die Welt zu verbessern.
– Anne Frank

Also los!

Dieser Artikel steht noch provisorisch… ungeschliffen, aber mit einem herzhaften Eindruck aus Amsterdam.

22.August 2005

“Change”

Filed under: Lesefutter — bananenblatt @ 23:14

Tja… eigentlich wäre “Change” schon ein spannender Titel für einen Artikel hier… aber es ist “nur” der Name eines Buches – eines Buches von Paul Watzlawick. Ausgeschrieben heisst das Dings: “Change. Principles of Problem Formation and Problem Resolution.” – ein exzellentes Buch, denn es stellt nicht nur die Trivialität fest, daß es so etwas wie “zu viel des Guten” gibt sondern beschreibt auch die logische Umgebung dieser Situationen – und wie man aus ihnen entkommt.

Das müsste man doch auch auf internationale Politik anwenden können, oder? Dies bleibt dem geneigten Leser als Übung überlassen ;)

19.August 2005

Rechtsstaat

Filed under: Nachgedacht — bananenblatt @ 19:13

Die Antwort ist: “Was halten Sie vom Rechtsstaat”?

In seinem Artikel “Allein mit Motassadeq” fragt Dr. Bittner, was wir Mounir el-Motassadeq fragen würden, wenn wir mit ihm alleine wären.

Alleine die Idee, diese Frage zu stellen, finde ich genial. Die Frage hat mich tagelang beschäftigt. Die Inspiration kam heute mit der Urteilsverkündung – und der Erinnerung, daß die Verteidigung angekündigt hatte, im Falle einer Verurteilung in die Berufung zu gehen.

Frei nach Dr. Bittner: Weiß die Blogg-Gemeinde, ob die Sharia Berufung kennt?

9.August 2005

New York, London, Helgoland ???

Filed under: Weitergedacht — bananenblatt @ 23:19

Islamisten nach Helgoland? – In seinem Artikel Insel der Irren schreibt Herr Dr. Bittner gegen eine “präventive Sicherungshaft für Islamisten”. Denn “haben Muslime den “Binladismus” erst gefressen, ist es schon zu spät für Prävention.” Ich bin mit ihm auch einer Meinung, daß die Sicherungshaft potenziell das Weltbild der Islamisten noch weiter verstärken könnte.

Ohne die Präventivhaft ausdrücklich zu befürworten muß man aber auf ein kleines Problem hinweisen: Im wesentlichen gibt es doch zwei große Ansätze im Strafrecht: Einen erzieherischen (es geht primär nicht um “Strafe”, sondern darum, den Täter besseres Verhalten zu lehren) und einen abschreckenden (“das tust Du nicht noch einmal”). Der Haken an der Sache: Beide versagen bei Tätern, die mit ihrem Leben schon abgeschlossen haben. Sei es bei den New-York- oder den London-Attentätern, die sich gleich mit sprengen, sei es bei den Madrid-Tätern, die, in die Falle getrieben, sich selbst mit ihrem ganzen Lager in die Luft jagen. Diese Menschen kann man nicht erziehen (sie sind tot), und womit kann man sie abschrecken??? Das Ganze führt sowieso auf dünnes Eis, denn “Unschuldig, bis die Schuld bewiesen ist” setzt überhaupt erst einmal eine Tat voraus – aber genau diese Tat wollen wir doch eigentlich verhindern, oder? (Und auch wenn man die “Verschwörung” schon als Tat betrachtet, bleibt die Sache haarig.)

Selbstverständlich hat Herr Dr. Bittner auch recht, daß “wahre Prävention hieße, zu verhindern, dass junge Leute ein pathologisches Weltbild entwickeln.” Wir sollten auf der Stelle mit dieser Prävention anfangen, bspw. mit Studien, wie unser Staat die Kinder in muslimischen Familien besser erreichen kann. Dann haben wir vielleicht in 20, 30 Jahren eine Jugend, die unsere Werte auch zu schätzen weiß. Vielleicht. Wenigstens die Kids, die “hier” aufwachsen und auf die wir Einfluß nehmen können. Und wir müssen irgendwie mit diesem seltsamen Toleranz-Argument fertig werden… wie viel “westliche Kultur” müssen wir den Muslimen im Westen aufdrücken, und wieviel muslimische Kultur verträgt die westliche Gesellschaft? Mein Standpunkt ist dem von Herrn Dr. Bittner sehr nahe, aber man muß leider sagen: “pathologisch” liegt in diesem Zusammenhang im Auge des Betrachters, manche Muslime betrachten unsere Gesellschaft schlicht als dekadent = pathologisch.

Zusammenfassung: Es ist wichtig, “echte” Prävention zu treiben, den Menschen unser Weltbild zu vermitteln. Dazu ist wichtig, das Toleranz-Argument besser zu verstehen und eine tiefe soziale Integration zu fördern (fordern?). Fest steht aber auch, daß die Ergebnisse “echter” Prävention einige Zeit auf sich warten lassen werden. Wie gehen wir mit der Lage bis dahin um? Abschrecken funktioniert nicht, Erziehen auch nicht, und Sicherungshaft auch nicht. Vielleicht funktioniert eine Mischung aus diesen Dingen? Vielleicht brauchen wir aber auch etwas ganz neues?

Da kann man nur noch mit Brecht sagen: “So sehen wir betroffen, der Vorhang zu und alle Fragen offen”