Bananenblatt


26.Juni 2005

Sauerstoff für Terroristen

Abgelegt unter: Weitergedacht | wong it! — bananenblatt @ 17:54

In seinem Artikel “Luft anhalten?” schreibt Dr. Bittner über die Rolle journalistischer Berichterstattung im Terrorismus. Die Pole sind klar: Sensationswut verschafft Terroristen erst die Plattform, auf der viele Terror-Akte überhaupt erst Sinn machen. Auf der anderen Seite steht die Glaubwürdigkeit der Medien.

Man könnte man dem Terrorismus sicher Plattform entziehen, wenn sich die Massenmedien nicht in Bezug auf den Inhalt selbst beschränken, sondern in Bezug auf das Timing. Was würde wohl geschehen, wenn die Zeitungen bei einem Terror-Anschlag zeitnah nur einen Minimal-Bericht veröffentlichen, und die Details mit beispielsweise zwei Wochen Verzögerung?

Zum Beispiel:
Moskau, 2.9.2004: Terroristen haben im russischen Nordkaukasus eine Schule überfallen und zwischen 100 und 1000 Geiseln genommen. Um den Terroristen keine Plattform zu bieten, veröffentlichen wir weitere Details erst in zwei Wochen.

Moskau, 16.9.2004: [...]

Die Berichterstattung nach dem 14-Tage-Embargo kann dann – wenn es die Sensationsgier der Masse hergibt – die vergangenen zwei Wochen in epischer Breite aufrollen, bevor sie beim “jetzt” weitermacht. Einerseits ist bis dahin die Sensationsgier kräftig abgeflaut, andererseits verschafft man den Behörden damit zusätzlichen Handlungsraum. Das Problem ist ja nicht, daß eine präzise Berichterstattung nicht erwünscht wäre – es ist aber Fakt, daß die zeitnahe Berichterstattung im momentanen Modell die Abfolge der Ereignisse verändert. Wenn man also Berichterstattung (global) und Ereignisse vor Ort (lokal) zeitlich entkoppelt, gewinnt man Freiraum zugunsten langfristig friedlicherer Lösungen. Auf der anderen Seite kann präzise, glaubwürdige Berichterstattung nach Ablauf der zwei-Wochen-Frist ungehindert stattfinden. Die Brücke schlägt die (glaubwürdige) Ankündigung “[...] Details erst in zwei Wochen”.

Ein weiteres Beispiel: Das Buch How Real Is Real? (deutsch als Wie wirklich ist die Wirklichkeit?) enthält zu einem ähnlichen Thema ein spannendes Beispiel: Flugzeugentführungen. (Leider habe ich das Buch derzeit verliehen und muß darum den Sachverhalt aus dem Gedächtnis schildern)

In den 70ern gab es wohl einen Flugzeugtyp, bei dem eine der Türen von innen geöffnet werden konnte. Dadurch stand Flugzeugentführern grundsätzlich eine Flucht mit dem Fallschirm offen. Ein neues Muster entstand: Entführer erpressten etwas und flohen nach erfolgreicher Erpressung mit dem Fallschirm. Durch die Kombination von zwei Maßnahmen wurde diese Entführungswelle erfolgreich gestoppt:

  1. Die Türen wurden umgebaut, so daß sie nur von außen geöffnet werden konnten
  2. Die Sicherheitsdurchsage zu Beginn erhielt den Zusatz “wir machen sie darauf aufmerksam, daß alle Türen des Flugzeuges nur von außen geöffnet werden können”

Während die Änderungen an der Türverrigelung das Muster der Entführung ausschloß, mußte die Ausweglosigkeit einer Entführung den Entführern noch mitgeteilt werden.

Analog würde hoffentlich die Ankündigung: “Weitere Details in zwei Wochen” den Behörden genug Handlungsspielraum verschaffen, um zu einer Lösung zu kommen.

Was wäre wohl die Reaktion eines Terroristen, wenn man ihm antworten würde: Jawohl, wir veröffentlichen Ihre Erklärung. In zwei Wochen. Bitte lassen sie die Geiseln frei. Jetzt.

19.Juni 2005

Fensterputzer: Arbeitsmarkt

Abgelegt unter: Bananenblatt "Classic", Weitergedacht | wong it! — bananenblatt @ 11:40

Im Kielwasser der vorläufig letzten Tour nach Indien gab es einige schlagende Bilder, die uns etwas über den Arbeitsmarkt hier und in den sogenannten Schwellenländern erzählen. Eigentlich ist dies der letzte Beitrag aus der “Bananenblatt Classic”-Reihe – doch er geht über die üblichen Bananenblatt-Anekdoten und Witzchen hinaus: Er zeigt auf unsere Art zu leben, und stellt die Frage, ob unser Leben noch in der richtigen Verhältnismässigkeit steht.

Auslöser für diese Frage war, wie für Das Bananenblatt üblich, ein Kulturschock – diesmal ein Kulturschock am ersten Bürotag nach der Rückkehr. Denn ich hatte in Bangalore Fensterputzer gesehen, die an der drei Stockwerke hohen Fensterfront arbeiteten. Nach der Rückkehr wurden auch im Büro in Walldorf geputzt. Hier sind die Impressionen:

Fensterputzer in Bangalore

Fensterputzer in Bangalore

Fensterputzer in Deutschland

Fensterputzer in Deutschland

In Worten: Fensterputzen in Bangalore bedeutet, sich einen Helm aufzusetzen, einen Strick um den Bauch zu binden und den Putzeimer daranzuhängen und sich von einem Kollegen abseilen zu lassen. Fensterputzen in Deutschland bedeutet, mit einem Kran an das Haus zu fahren, sich einen Friesennerz anzuziehen, sich – sicherheitshalber – noch einmal am Kran-korb anzuseilen und dann mit dem Feuerwehrschlauch loszuputzen.

Sagte hier gerade jemand “Lohnnebenkosten”?

In Bangalore ist es billiger, zwei Bürohelfer einzustellen als der Unterschied zwischen einem Kopierer und einem Kopierer mit Sortierfunktion. Jetzt haben wir zwei wenig ausgelastete Bürohelfer, in Bangalore, die jederzeit dafür bereitstehen, Kopien zu sortieren. Zwei Arbeitsplätze mehr.

Dies ist kein Argument für ein bodenloses “Race to the bottom”, bedingungslosen Sozialabbau. Es ist nur die Bitte, unseren Luxus hier in Deutschland zu hinterfragen. Noch haben wir eine Gelegenheit, den notwendigen Abbau kontrolliert durchzuführen und uns auf einem neuen Niveau einzuschwingen. Aber diese Gelegenheit besteht nicht mehr lange. Die Tarifvereinbarungen in der Automobilindustrie in den letzten 12 Monaten und die Stilblüten aus der EU-Dienstleistungsverordnung deuten schon darauf hin, daß ein unkontrollierter Kollaps unserers Sozialstaates nicht mehr auszuschließen ist.

Wie weit Ricardo’s “Iron Law of Wages” (etwa: “Das Eiserne Gesetz der Löhne”) tatsächlich trägt und wie weit William Pfaff mit seinem Artikel “In a Shrinking World, Wages Seek the Lowest Level” recht hat, ist jetzt nicht zu beurteilen. Fest steht, daß Ricardo von der heute dominanten Rolle von spezialisierten, erfahrenen Fachkräften nichts ahnen konnte. Eine Ahnung davon bekommt man in “An American label: Made in Germany

16.Juni 2005

Bananenblatt “Replay”: Leserbrief

Abgelegt unter: Bananenblatt "Classic" | wong it! — bananenblatt @ 20:21

Wer hat gedacht daß es, angesichts unserer Rückreise vor inzwischen mehreren Wochen, auch diesmal kein Bananenblatt mehr geben könnte? Weit gefehlt… nach den vielen positiven Rückmeldungen und den Leserbriefen bleibt mir ja gar nichts anderes mehr übrig :-) Also, zunächst ein

Leserbrief

Markus S. aus W. (Name von der Redaktion gekürzt) schreibt:

“Der geneigte Leser sah seinen Verdacht, der ihm bereits bei Erzählungen über die neuste Ausgabe bekam nach Betrachtung des Photos bestätigt: Bei der vermeindlichen Eidechse handelt es sich um ein Gecko. (Ich finde sie niedlich).
Offen bleibt die Frage, ob der kleine Gecko die Pyramide “Let’s spend the night together aufgestellt hat” oder ein RedBull Sponsor.”

Dr. Sommer antwortet:
Ja lieber Markus, da hast Du recht. Sowohl bei der Fehl-Klassifizierung des Geckos als Eidechse als auch daß das Tierchen sehr niedlich war. Wir werden unserem Redakteur zur Strafe zehn Schläge auf die nackten Fußsohlen erteilen (oder eine ähnliche Strafe erfinden).

Und die Redaktion merkt an: Wir verzeihen die Mißverständliche Berichterstattung: Die Red Bull Pyramide steht im Hotel, und der Gecko war im Büro. Wir werden unserem Redakteur zur Strafe zehn Schläge auf die nackten Fußsohlen erteilen (oder eine ähnliche Strafe erfinden).

Bananenblatt “Replay”: 25. August 2004

Abgelegt unter: Bananenblatt "Classic" | wong it! — bananenblatt @ 20:16

In dieser Ausgabe: Rückblick – PLEASE – Red bull – Upgrade on a pillar – Handy-Tankstelle – tierischer Besuch im Büro
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9.Juni 2005

Bananenblatt “Replay”: 14. März 2004

Abgelegt unter: Bananenblatt "Classic" | wong it! — bananenblatt @ 21:41

In dieser Ausgabe: Sonntag – Dreiradrikschas I – Baustelle – Abzocke, einmal anders – Dreiradrikschas II
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8.Juni 2005

Bananenblatt “Replay”: 13. März 2004

Abgelegt unter: Bananenblatt "Classic" | wong it! — bananenblatt @ 20:04

Indien beginnt in Deutschland – Anreise mit Hindernissen.
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3.Juni 2005

Ehrverletzende Elefantöse Diskussion

Abgelegt unter: Allgemeines, Nachgedacht, Weitergedacht | wong it! — bananenblatt @ 19:40

Herr Bittner hat in seinen beiden Artikeln “Ehrverletzt” und “Ehrverletzt II” zwei Diskussionen auf einmal losgetreten, und ihm sind wieder einige ansonsten begabte Leute auf den Leim gegangen. Insgesamt erinnern mich diese Argumente immer wieder an die Parabel von den Blinden und dem Elefanten, die man auf Deutsch beispielsweise hier finden kann: http://www.bettina-meister.de/elefant.html.
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